Niemand weiß, was aus dem Bild werden soll
Zuvor
01
Bevor die Zeichnungen zurückkehrten, gingen Jahre visueller Arbeit voraus: Fotografie, Video, Schnitt, Mode, Kampagnen – Geschichten, die für andere Menschen und andere Zwecke entstanden.
In dieser Branche kennt ein Bild oft schon seine Aufgabe, bevor es überhaupt existiert. Es soll Aufmerksamkeit erzeugen, überzeugen, Begehren wecken, etwas schöner, erfolgreicher, notwendiger erscheinen lassen. Darin steckt viel Intelligenz, aber auch Druck.
Die Oberfläche wird glatt. Das Gefühl wird gelenkt. Der Raum für wirkliche künstlerische Freiheit wird kleiner.
Der Körper wusste es, bevor der Verstand es erklären konnte.
Das Zeichnen kehrte zurück, als dieser Raum zu eng wurde.
Wie es beginnt
02
Eine Zeichnung muss nicht modischer, effizienter oder überzeugender sein. Sie darf schlecht beginnen. Sie darf leise beginnen. Sie kann mit einem Satz aus einem Buch beginnen, mit den Worten eines Meisters, mit einem Zitat, das sich bei der Suche in den Schriften der Weisen findet – oder mit nichts anderem als der Bewegung der Hand.
Die Arbeit muss nicht sofort wissen, was sie ist.
Sie darf werden.
Ein Fragment wird ausgeschnitten. Ein anderes wird daneben gesetzt. Etwas bewegt sich. Etwas passt nicht. Plötzlich passt etwas.
Ein Satz taucht auf, als hätte er im Material darauf gewartet.
Auch das gehört zur Arbeit: nicht alles zu erfinden, sondern wahrzunehmen, was sich gezeigt hat.
In den Augen liegt die Ahnung, dass das Göttliche sich selbst durch die Schöpfung betrachtet.
Name
03
Lokanugraha Karini Dasi ist der spirituelle Name der Künstlerin, den sie auf ihrem Bhakti-Weg empfangen hat.
Er ist weder ein Markenname noch ein Konzept, das über die Arbeit gelegt wurde.
Er gehört zum Fundament dieser Praxis: Gebet, innere Einkehr, Wiederholung, Zuhören, Hingabe.
Die Arbeiten entstehen aus Hingabe, aber sie geben keine Anweisungen.
Betrachten
04
Es braucht keinen bestimmten Glauben.
Die Arbeiten verlangen vom Betrachter nicht, etwas Bestimmtes zu empfinden.
Kein richtiges Gefühl, keine richtige Interpretation, keine spirituelle Schlussfolgerung.
Man kann einfach vor einem Werk verweilen und sehen, was geschieht.
Made on
Tilda